Donnerstag, 25. Mai 2006
Der heutige Tag steht im Zeichen der Besichtigung israelischer Schulen mit verschiedenen paedagogischen Schwerpunkten mit dem Ziel der Integration von Zuwanderern oder Schuelern mit besonderen Schwierigkeiten. Oben ein Eindruck aus der Kunstabteilung der Schule Irony Zain in Jaffa. Schulleiter Bensi (unten links) -er behauptet ein Grossteil seines Lehrerkollegiums kenne nur seinen Spitznamen aber nicht seinen vollen Namen- erlaeutert die Problematik in einem Umfeld, in dem 60% juedische und 40% arabische Schueler die Schule besuchen.
Bensi (oben links, neben ihm Schulinspektorin Dalit Stauber, Distriktschulinspektor Shmuel Gross -entspricht etwa unserem Schulpraesidenten- und Gila Shalev) kennt Frankfurt und Berlin und war Oberst der israelischen Armee bevor er vor ueber acht Jahren Schulleiter wurde. Er plaediert dafuer, nicht alle Schwierigkeiten als Disziplinprobleme zu sehen, sondern die Schueler ernst zu nehmen und in Projektarbeiten einzubinden, die die Persoenlichkeit staerken. Dass die Schueler, die wir treffen, ein besonderes Selbstbewusstsein zeigen, koennen alle Teilnehmer bestaetigen. Bensi sorgt als Opernfan dafuer, dass alle Schueler nach 10 Vorbereitungsstunden eine Oper besuchen und dort nicht im Block sondern unter die regulaeren Besucher verstreut sitzen. Er erhaelt viel positive Rueckmeldung von den anderen Opernbesuchern. Ein weiteres Projekt stellen uns zwei Schueler im Tonstudio eines eigenen Radiosenders vor, der taeglich fuer einige Zeit auf Sendung geht.
Weiter geht es zur Schule Shevah-Mofet in Tel Aviv, eine Schule, deren 1600 Schueler zu 70% Kindern russischer Einwanderer sind. Auf einem Informationsfilm sehen wir die Besuche von Michail Gorbatschow, Shimon Peres und Kofi Anan an dieser Schule. Im Jahre 2001 erlebte die Schule einen besonderen Schock, als bei einem Bombenanschlag am 1. Juni, dem internationalen Kindertag, an einer Tel Aviver Diskothek 21 Jugendliche ermordet wurden, davon allein 7 Schueler von Shevah-Mofet. Aber, so die Englischlehrerin Olga, es ist die Pflicht im Interesse der Kinder weiter zu arbeiten. Der Schulleiter Dr. Dov Orbach hebt die zwei Grundprizipien der Schule hervor: exellency and Jewish heritage. Die Umsetzung dieser Grundprinzipien erleben wir in der Naturwissenschaftsabteilung, betreut von Dr. Wladimir Datzkovsky, hier mit Dr. Postl beim Betrachten eines selbst erstellten Windkanals.
Dr. Datzkovski ist selbst vor 10 Jahren von der Wolga nach Israel eingewandert und begruesst uns auf Deutsch. Wie wir ueberhaupt eine grosse Bereitschaft feststellen, mit uns auf Deutsch zu kommunizieren.
In der Bialik Rogossin-Schule ist ein Mittagsbuffet vorbereitet, dem wir gerne zusprechen.
Die Schule unterrichtet, wie uns Schulleiterin Karen Tal berichtet, 625 Schueler aus schwierigen familiaeren Verhaeltnissen. 60% leben in unvollstaendigen Familien und 220 Kinder sind Kinder von Gastarbeitern -migrant workers, wie sie in Israel genannt werden. Manche von ihnen haben keine offizielle Aufenthaltsgenehmigung. Das ist nicht Sache der Schule, sagt Dalit Stauber. Jedes Kind hat ein Recht auf Bildung und muss von der Schule gefoerdert werden. Sie wuerde nicht gestatten, dass ein Kind wegen rechtlicher Probleme oder schlechter Leistung von der Schule gehen muss. Es ist Aufgabe der Lehrer, das Kind zu foerdern. Dazu wird mit manchen Kindern ein Ganztagesprogramm gefahren, andere bekommen Nachhilfe von Armeesoldaten. Manche Kinder haben nicht die israelische Staatsangehoerigkeit, koennen sie aber nach einem Aufenthalt von 5 Jahren unter bestimmten Bedingungen erhalten.
Kinder von Bialik Rogosin singen ein Lied vom Frieden (oben). Die Schule umfasst alle Stufen vom Kindergarten bis zum Abitur (Bagrut), das in Israel nach 12 Jahren abgelegt wird. Unten die Tagesspeisung von Kindergartenkindern mit schwierigen haeuslichen Umstaenden. Sie wird auch von Spenden finanziert. Das ist erfreulich, aber eigentlich waere es Aufgabe des Staates, so Frau Stauber. Wir hoffen weiter dringend auf Frieden, damit das Geld fuer bessere Zwecke ausgegeben werden kann.
Moshe Granot (unten 3.v.r.), dem wir die Organisation dieses Tages zu verdanken haben, laedt die Gruppe zum Abendessen zu sich nach Hause ein. Wir nehmen dankend an und freuen uns ueber die herzliche israelische Gastfreundschaft.









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